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Demo-Bericht 2.0 – Wien in Tweets

Schon bevor am 6. Juni 2015 eine großangelegte Demonstration 400 zum Teil international angereiste Identitäre mitten durch den 10. Bezirk Wiens führen sollte, gab sich die extreme Linke siegessicher. Der Marsch durch den traditionell proletarisch geprägten Stadtteil könne nur als Desaster für die Identitären – und somit als Sieg für die Linken – enden. Die Erklärung allerdings, warum das der vermeintlich unvermeidliche Ausgang in einem Viertel sein sollte, in dem noch 2010 ein Drittel der Einwohner ihr Kreuzchen bei der FPÖ setzte, blieb man schuldig. Vielleicht hoffte man auf einen Deus Ex Machina, vielleicht überschätzte man sich maßlos. Aber egal, was der Grund für den beinahe absurden Größenwahn war, am Ende des Tages stand der Gewinner deutlich und für jeden sichtbar fest – aber es war nicht das linke “Bündnis”. Kein Gott war erschienen und alle Hybris hatte nicht geholfen. Die Identitären waren (weitestgehend) ungehindert ihre volle, geplante Strecke gelaufen und konnten ihre Abschlusskundgebung wie geplant abhalten. Als sich herauszukristallisieren begann, dass die linke Gegendemo spektakulär gescheitert war, wurde die Taktik in gewohnter Antifamanier blitzschnell umgeschaltet. Die Antifa versuchte direkt, die Narrative zu ihren Gunsten zu ändern. Die Identitären sollten als blutrünstiger Mob marodierender Neonazis dargestellt werden, die auf der Jagd nach friedliebenden Linken die halbe Stadt in Schutt und Asche legen – und am Ende des Tages sah es, wenn man sich einer gewissen einseitigen Berichterstattung aussetzte, auch fast tatsächlich so aus. Aber stimmt das so?

(Zum Vergrößern der eingefügten Bilder, bitte einfach darauf klicken.)

 

fehleinschätzung

 

Ist die Identitäre Bewegung tatsächlich in Wien in der Art einer neuen Hitlerjugend, Menschenjagd auf wehrlose Antifaschist_Inn*en betreibend, in Erscheinung getreten? Während man nun den immer lauter werdenden Verbotsrufen empörter Vertreter der extremen Linken lauscht (welche in solchen Fällen gerne einmal auf „beste Freunde“ mit dem ansonsten so verhassten, repressiven Staatsapparat machen), sollte man sich noch einmal die vergangene Demo des letzten Jahres ins Gedächtnis rufen, in dessen Rahmen es zu einem tragischen Vorfall kam.

Vorgeschichte linker Lügen

Eine engagierte und hochschwangere Aktivistin gegen Rechts wurde während der Demo so schwer von der Polizei misshandelt, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und dort ihr ungeborenes Kind verlor. Ganz unabhängig von der Frage, ob es sinnvoll ist, im hochschwangeren Zustand eine erwartungsgemäß unruhige Demonstration zu besuchen, ist das natürlich eine ganz große Schweinerei. Leben ist Leben, Tod ist Tod. Punkt. Wäre da nicht ein klitzekleines Detail: Die Demonstrantin ist niemals schwanger gewesen. Wie das rauskam? Die Polizei beschlagnahmte nach aufkommendem Zweifel die Krankenhausakte der Aktivistin und siehe da: Es war keine Spur einer Schwangerschaft festzustellen. Aber anstatt sich in gerechtfertigter und gebotener Selbstkritik zu üben, ging die organisierte Linke nunmehr dazu über, der Polizei einen unverhältnismäßigen Einbruch in die Privatsphäre der armen Demonstrantin vorzuwerfen. Wir halten fest: Lügen gegen das System scheinen eine legitime Waffe im linksautonomen „Struggle“ für eine vereinheitlichte Welt zu sein. Naheliegend, dass man auch vor “Lügen gegen Rechts” nicht zurückschreckt.

Vor der Demo

Aber fangen wir von vorne an: Bereits vor der Demo zeichnete sich ziemlich eindeutig ab, dass die Antifa nicht gerade beabsichtigte, den Identitären bei einem freundschaftlichen Sit-In mit veganen Plätzchen und Club Mate zu erklären, was ihrer Ansicht nach so alles im neurechten Denken nicht stimme. Nein, frei nach dem Motto „Wen ich nicht mag, der kriegt derbe aufs Fressbrett” wurde schon im Vorfeld in sozialen Netzwerken unzweideutig der Babo markiert und allerhand postpubertären Gewaltfantasien freien Lauf gelassen. Hier allerdings noch weitestgehend ohne fantasievolle Verdrehung der Tatsachen.

 

vor vor demo

 

Am Columbusplatz

Als sich die identitäre Demo dann am Columbusplatz zu sammeln begann, fing die Antifa pflichtbewusst damit an, die ersten Positionen von Identitären über Twitter mitzuteilen. So wie der Platz sich langsam füllte, begann sich auch die Stimmung aufzuheizen. Erste Wurfgeschosse und zornige Sprechchöre flogen in Richtung der Identitären, während eine Gruppe „Clowns“ eine etwas alberne Choreographie vollzog.

 

vor der demo

 

Nachdem der Demozug entgegen aller Ankündigungen und Drohungen von Seiten der Gegendemonstranten sehr laut – und von ein paar einfach umgangenen Antifa-Blockaden mal abgesehen –  ungehindert die geplante Route durch Wien-Favoriten laufen konnte, begann sich auf der Gegenseite der Frust zu stauen.

Am Reumannplatz

Als die Demo am Reumannplatz ankam, um dort die Abschlusskundgebung abzuhalten, wurde sie bereits von engagierten Aktivisten erwartet. Ein wenig an ein zorniges Kind, dem man seine Süßigkeiten verweigert, erinnernd, ging der Mob nun dazu über, die aufgestaute negative Energie in Richtung der Identitären zu kanalisieren: Böller, Bengalos, Flaschen und Steine flogen aus den linken Reihen. Ein Identitärer wurde verletzt, das Dach der U-Bahnstation geriet in Brand. An dieser Stelle muss noch einmal erwähnt werden, dass von identitärer Seite – abgesehen von ihrer Anwesenheit – keinerlei Provokation ausging. Die brennenden Feuerwerkskörper wurden – verständlicherweise und blindlings – zurückgeworfen, wobei auch das besagte Dach in Brand geriet. Ein kleines Feuer, das von einem anrückenden Polizisten mit Handlöschgerät umgehend gelöscht wurde. Und doch begann die Linke nun, sich zu empören: Ein Dach brannte, ein bisschen – und das war der ersehnte Beweis. Man hatte sein Skandälchen, das man nun über alle Maße aufblähen konnte. Das beliebte Motto „Autos brennen und ihr schreit, Menschen sterben und ihr schweigt!“ ins groteske Gegenteil kehrend, schrie und zeterte man nun selbst wegen einer schwelenden Dachkante und verschwieg die lebensgefährlichen Stein- und Feuerwerkskörperwürfe aus den eigenen Reihen dabei komplett. (Vielleicht haben Dächer im Gegensatz zu Autos oder Menschen im antifaschistischen Wertesystem einfach einen höheren Stellenwert? Ohne Autos kann man immerhin ein einigermaßen angenehmes Leben führen. Ohne Dächer wird das schon komplizierter.) Aber die Situation beruhigte sich wieder ein wenig, Sprechchöre wurden ausgetauscht und die Abschlusskundgebung, wie geplant, abgehalten. Danach wurde die Demonstration für beendet erklärt und die identitäre Gruppe stieg – eskortiert von der Polizei – in die nächste U-Bahn.

 

abschlusskundgebung

Nach der Demo

Während ein großer Teil der Demoteilnehmer für ein abschließendes Gruppenfoto weiter zum Praterstern fuhr, flanierten andere Kleingruppen durch Wien, um die gelungene Demonstration zu feiern, oder auch nur um zurück zu ihren Wohnungen und Hotels zu gelangen. Leider hatten sie in blauäugiger Naivität nicht die Frustration und den Hass des breiten Gegenbündnisses einkalkuliert. Dieses hatte nämlich währenddessen die einmalige Chance gewittert, ihren Gewaltfantasien endlich eine physische Komponente zu verpassen – und wie ließe sich das besser bewerkstelligen, als durch eine gute, alte, bunte, weltoffene und demokratische Menschenjagd?

Die Jagd war also eröffnet und dank effektiver Twitterkoordination (Kapitalismus, ho!) konnte die Beute auch zügig ausgemacht und eingekesselt werden. Während sich eine kleinere Gruppe sportlich orientierter Antifaschisten aufmachte, den Identitären zum Praterstern zu folgen, suchte der Großteil die Konfrontation in den Straßen Favoritens. Ein Identitärer wurde in einem Laden mit allerlei eindeutig bedrohlichem Gebrüll belagert, ein anderer durch die Straßen gejagt, von der rasenden Meute eingekreist, angegriffen und verletzt. Hier konnte nur das rasche Eingreifen der Polizei Schlimmeres verhindern. Von keinem der beiden ging zu irgendeinem Zeitpunkt irgendeine Provokation oder gar Bedrohung aus – alles andere hätten linke Empörungsmenschen schließlich zeitnah und exzessiv auf Twitter kommuniziert. Während man sich nun in der Favoritenstraße die Zeit bei Treibjagden vertrieb, waren Teile beider Parteien mit aufgeheizten Gemütern zeitversetzt beim Praterstern angekommen: Eine Situation, die ohne das minütliche Twitter-Update der Antifa über den Aufenthaltsort der Identitären niemals zustande gekommen wäre.

 

menschenjagd

 

Am Praterstern

Und jetzt kommt der Knackpunkt. Laut der Gegenseite kam es hier nämlich zu einem äußerst unschönen Vorfall: Eine Gruppe Identitärer soll brutal und grundlos auf einen einzelnen Antifaschisten eingeprügelt und -getreten haben. Und nach den ersten sehr unschönen Bildern sah es auch tatsächlich danach aus. Ein Antifaschist wird umgeschlagen und liegt am Boden – für einige Leute Beweis genug, in populistischer Manier unverzüglich ein Verbot der IB zu fordern.

Aber mittlerweile sind einige Zeugenaussagen sowie Bild- und Videomaterial gesichtet, analysiert und ausgewertet worden. Und tatsächlich – wer hätte es gedacht – waren die Geschehnisse nicht ansatzweise so eindeutig, wie die Antifa sich zunächst angestrengt bemühte zu vermitteln. Eine kleine Gruppe von etwas mehr als einem Dutzend martialisch auftretender und vermummter Antifas hatte sich offenbar dazu entschieden, noch einmal richtig Krawall zu machen und/oder die gewünschten Bilder zu provozieren: Flaschen, Dosen und Beleidigungen fliegen. Zuerst bilden die identitären Ordner eine Menschenkette, um ihre eigenen Leute vom Angriff abzuhalten und die pöbelnden Kontrahenten zu schützen, dann wird ein Identitärer von einer vollen Bierdose am Kopf getroffen und bewegt sich als Reaktion zügig auf die Flaschenwerfer zu. von der Person die später am Boden liegen sollte, geht in seine Richtung, wird von ihm abgeblockt und der Identitäre taumelt zurück. Ein zweiter rennt auf den großgewachsenen Schläger zu, bekommt einen Faustschlag ins Gesicht und kann sich gerade noch so auf den Beinen halten. Spätestens hier können die Ordner die Demonstrationsteilnehmer, die stundenlang mit Wurfgeschossen und Beleidigungen malträtiert wurden, nicht mehr davon zurückhalten, ihre Gefährten vor diesen Übergriffen zu schützen – zumal keine als solche erkennbare Polizei vor Ort war, die dies ansonsten getan hätte.

 

praterstern

 

Mehrere Identitäre stürmen auf die Angreifer zu. In dem Handgemenge geht der gewalttätige „Antifaschist“, der zuvor auf mehrere Identitäre eingeschlagen hatte, schließlich zu Boden. Sofort darauf wird von ihm abgelassen, identitäre Ordner bilden einen Schutzring um ihn und helfen ihm auf. Es wird Erstversorgung geleistet und vorsorglich ein Krankenwagen gerufen. Der Mann wird noch am selben Tag aus dem Krankenhaus entlassen. Sonst wurde keiner der Gegendemonstranten verletzt. Ob so eine Begegnung ähnlich glimpflich ausgegangen wäre, wenn eine Gruppe Identitärer ohne Polizeischutz einer fünfmal so großen Gruppe von Linksextremisten gegenübergestanden wäre, ist – schon alleine aufgrund der vorherigen Vorkommnisse des Tages – mehr als fragwürdig.

 

beulerei

 

 

„Alpendorf“ und weitere Gewaltankündigungen

Nach diesem äußert unschönen Vorfall, der allerdings aufgrund des beherzten und vorbildlichen Eingreifens der identitären Ordner weitestgehend harmlos verlief, bewegte sich die Gruppe ins „Alpendorf“. Die Ordner bildeten abermals eine Menschenkette. Dieses Mal allerdings um die eigenen Reihen zu schützen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass tatsächlich (wie von Antifa-Leuten behauptet) ein Aschenbecher aus dem Lokal flog, aber entgegen der Anschuldigungen im Internet und nachweisbar durch Videobeweise weder einen anwesenden Journalisten traf, noch in einer für irgendwen gefährlichen Bahn flog. Zugegebenermaßen trotzdem Scheiße. Wenn du, der den Aschenbecher geworfen hast, das hier liest: Schäm dich!

Der restliche Tag verlief relativ still und nach dem üblichen Schema: Ein paar Antifas liefen frustriert und machtlos durch die Stadt und machten ihrem Ärger über eine gelungene Identitärendemo mit allerhand Gewaltankündigungen Luft. Andere verbrachten den Rest des Tages damit, sich über „rechte Schlägerbanden“ zu mokieren und wieder andere verkrochen sich heulend unter der Dusche.

 

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Bis auf die unnötigen linken Gewaltausbrüche alles in allem ein schöner und erfolgreicher Tag – für uns.

 

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Text und grafische Bearbeitung: Theodor von Wallersdorf

Recherche und Lektorat: Pierre Aronnax

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Über Pierre Aronnax

Pierre Aronnax
Stammt ursprünglich aus der Linken, studiert Psychologie und schreibt außerdem für das identitäre Projekt "Kontrakultur MV"

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