In letzter Zeit beobachten wir mit sorgenvoller Miene das zunehmende Phänomen, dass krude Islamhasser die Identitäre Bewegung als ihre vermeintliche neue politische Heimat betrachten. Da wird beispielsweise das Lambda als facebook-Profilbild verwendet, während zugleich die verrücktesten und ekelhaftesten Beiträge über den Islam geteilt werden.
Sei es, dass Muslime plötzlich allesamt Kinderschänder sind, die den ganzen Tag Hände abhacken, dass unter jedem Kaftan ein gefährlicher Terrorist steckt oder dass die islamische Welt nach Befreiung durch die westliche lechzt. Als wäre das nicht schon genug an Unsinn, sind solche Beiträge fast immer mit einem vollkommenen Unwissen über den Islam sowie einer zivilreligiösen Anrufung der Menschenrechte und „des Westens“ verbunden.
Was die Identitäre Bewegung mit diesen hier „liberale Islamkritiker“ bezeichneten Personen gemein hat, soll im Folgenden anhand von drei Fragen beleuchtet werden: Was soll geschützt werden? Wovor soll es geschützt werden? Wie ist daraus folgend das Verhältnis zum Islam?
Was soll geschützt werden?
Den Identitären geht es um den Erhalt der ethnokulturellen Identität(en) der europäischen Völker. Einer Identität, welche sich in einem steten Wandel befindet und sich nicht abschließend beschreiben lässt. Es geht um Kultur, Geist, Seele, Tradition und Heimat – mehr um Gefühl und Instinkt als um Verstand und Vernunft. Diese Identität ist nicht nur bedroht, sondern befindet sich bereits in einem Niedergang, der – wenn nicht aufgehalten – zum Untergang Europas führen wird.
Den liberalen Islamkritiker hingegen geht es um etwas ganz anderes. Es geht nicht um den Erhalt der europäischen Geistestradition, einer ethnokulturell gebundenen Geisteshaltung oder uralter Traditionen, sondern es geht um den Erhalt „des Westens“. Dieser wird als ein Potpourri aus falsch verstandenem Liberalismus und Individualismus, Kapitalismus, ein paar weiteren Ismen, Menschenrechten und freier Marktwirtschaft verstanden. Der gegenwärtige Zustand wird hierbei nicht als Problem oder dekadent angesehen, sondern als der Höhepunkt der europäischen Kultur, der gleichzeitig das Ende der Geschichte darstellt.
Hier sieht man schon den ersten fundamentalen Unterschied zwischen den beiden Gruppen: Identitäre wollen die gegenwärtige Dekadenz hin zu einem neuen goldenen Zeitalter überwinden, während die liberalen Islamkritiker genau diesen Zustand positiv bewerten und verteidigen wollen. Den Identitären geht es um den ewigen Wert von Volk, Kultur und Tradition – den liberalen Islamkritikern um „westliche Werte“.
Ein Schutz wovor?
Aus dem Bewusstsein, dass jeder Kulturraum seinen eigenen sozialen Habitus hervorbringt und dass jeder Mensch eine kulturell bedingte Perspektive einnimmt, erschließt sich für die Identitären die Unmöglichkeit einer Hierarchisierung der Kulturen. Stattdessen stehen die Kulturen gleichberechtigt und „auf Augenhöhe“ nebeneinander – eine Einteilung in fortschrittliche und rückständige, höher- und minderwertige Kulturen wird abgelehnt. Die Identitäre Bewegung geht aber noch darüber hinaus, weil sie die Vielfalt der Kulturen nicht nur als „notwendiges Übel“ ansieht, sondern gerade diese kulturelle Vielfalt als den wahren Reichtum der Menschheit betrachtet. Das Ziel der Identitären lässt sich also folgendermaßen zusammenfassen: Die Verteidigung des Eigenen und die Anerkennung des Anderen (wichtig: als anders!).
Beim Islam handelt es sich um eine außereuropäische Religion, die mit der europäischen Identität nicht vereinbar ist, da zu stark politisch aufgeladen, dem Wesen eines ganz anderen Kulturraumes entspringend und zu stark der europäischen Geistestradition widersprechend. Wichtig ist, dass der Islam nicht per se als rückständig oder minderwertig angesehen wird, sondern nur als etwas Anderes, das eben nicht mit der europäischen Kultur vereinbar ist. Aus dieser Unvereinbarkeit wird gefolgert, dass eine Islamisierung unseres Kontinents gleichzeitig das Ende des uns bekannten Europas bedeuten würde. Man könnte sagen, es geht der Identitären Bewegung überhaupt nicht primär um eine Islamkritik, sondern um eine Islamisierungskritik – eine Bezeichnung, welche das Anliegen wohl eher auf den Punkt bringt.
Die liberalen Islamkritiker hingegen denken nicht in Völkern oder Kulturräumen. Den Westen sehen sie als den Höhepunkt des Menschentums, dem alle anderen Kulturen der Welt unterlegen sind – es kann ja schließlich immer nur einen höchsten Punkt geben. Wenn diese Kulturen dann auch noch den Fundamenten des westlichen Denkens widersprechen, sind sie schlicht rückständig oder gar minderwertig. So verhält es sich auch mit dem Islam, welcher zumindest weltanschaulich eine ständige Bedrohung des westlichen Wertekatalogs darstellen muss, da er die (ohnehin falschen) Grundannahmen des Westens (zwar aus falschen Gründen, aber dennoch) ablehnt.
Die Identitären sehen also einen Konflikt zwischen zwei an Völker gebundenen Kulturen, während die liberalen Islamkritiker einen Konflikt zwischen zwei – von Völkern losgelösten – Wertekatalogen sehen.
Das Verhältnis zum Islam
Aus dem eben Gesagten ergeben sich zwei komplett verschiedene Zugänge zum Islam. Die Identitären akzpetieren den Islam in seinem angestammten Raum – etwa dem arabischen – als eine fremde Kultur und lehnen ekelhafte Beleidigungen und Verunglimpfungen natürlich ab. Gleichzeitig wird der Islam wie jede andere Ideologie kritisiert und in seiner Gefahr nicht unterschätzt, was beispielsweise den universalistischen und missionarischen Faktor oder den „Steinzeit-Islam“ betrifft.
Die liberalen Islamkritiker hingegen sehen eine Bedrohung ihres eigenen (dekadenten) Wertekatalogs. Dem Universalismus und dem Missionsauftrag des Islams setzen sie ebenfalls Universalismus und Missionierung in Form eines Kulturimperialismus oder gar einer „Befreiung“ entgegen. Es geht nicht um den Schutz Europas, sondern um eine Beseitigung des Islams von der Erdoberfläche.
Es bleibt also festzuhalten, dass die Identitären etwas Anderes als die liberalen Islamkritiker verteidigen (Europa vs. Der Westen), die Bedrohungen in zwei verschiedenen Dingen sehen (Islamisierung vs. Islam) und auch einen vollkommen anderen Zugang zum Islam haben (Verteidigung vs. Kreuzzug). Zu wünschen ist, dass die verirrten Schäfchen der liberalen Islamkritik ihren Irrweg bemerken und ein echter Teil der Identitären Bewegung werden, oder aber andere Bewegungen für ihren globalen Kreuzzug suchen. Denn uns treibt die Liebe zum Eigenen, nicht der Hass auf das Andere.
Ich finde die von der identitären Bewegung vertretene Philosophie des Ethnopluralismus sehr interessant, allerdings bin ich der Meinung, dass sie wie die meisten am Reißtisch entworfenen Philosophien nicht hundertprozentig mit den realen Begebenheiten kompatibel ist.
Ich finde es großartig und schützenswert, dass Unterschiede in der Mentalität und Lebensweise zwischen den Bewohnern verschiedener Gebiete bzw. Volksgruppen bestehen. Ich akzeptiere auch, dass z.T. starke Unterschiede im Bezug auf Werte und angestrebte Verhaltensweisen zwischen den einzelnen Gruppen existieren. Dies ist mir persönlich aber nur bis zu einem gewissen Grad möglich. Ich kann nicht grundsätzlich alles gutheißen und als regionale Eigenheit schützenswert erachten, das sich irgendwo als Gepflogenheit durchgesetzt hat. Ich bin ein zur differenzierten Reflektion fähiger Mensch und kann mir kritisches Denken auch gegenüber anderen Kulturen nicht abgewöhnen. Die Forderung der identitären Bewegung, kritische Gedanken in diese Richtung zu unterdrücken, kommt einer Beschneidung des freien Geistes gleich. Ein gänzlich kritikloses Übersehen extremster Differenzen ist mir nur dann möglich, wenn die betrachtete Volksgruppe mit höchster Wahrscheinlichkeit nie mit mir bzw. meinem eigenen Kulturkreis in Kontakt kommen wird und die Auswirkungen für mich nicht existent oder minimal sind. Kannibalen im Regenwald? Höchst interessant! Ein anderer Grund für das Hinwegsehen über extremste Unterschiede bezüglich der Weltanschauung ist bloßes Umwissen. Ich muss zugeben, dass mir selbst die Eigenheiten unserer europäischen Nachbarn nicht gänzlich bekannt sind und über andere Kulturen weiß ich sicherlich noch weniger. Ich vermute, dass es den meisten Menschen in diesem Punkt ähnlich wie mir geht.
Nun kommen wir zum Beispiel der Immigranten aus islamisch geprägten Teilen der Welt, die in Deutschland leben. Es handelt sich um mehrere Millionen Menschen, die mehr oder weniger vor meiner Haustüre leben und deren Handeln und Denken alleine aufgrund ihrer Anzahl einen Einfluss auf mein Leben hat. Zudem hat man sich spätestens nach dem 11.09.01 zwangsläufig zumindest oberflächlich mit der aktuellen islamischen Kultur beschäftigen müssen. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat die islamisch geprägte Parallelgesellschaft in Deutschland eine Aufmerksamkeit erhalten, die ihr vorher nicht zuteil geworden ist. Die deutsche Gesellschaft, die die Existenz dieser Gruppe von Immigranten und ihre Eigenheiten bis dahin quasi ausgeblendet hat, ist nun zu einer Urteilsbildung gezwungen und ich bin der Meinung, dass ihr auch ein Urteil zusteht. Es handelt sich dabei nicht um das Urteil einer Kolonialmacht mit Anspruch auf technische und gesellschaftliche Überlegenheit über ein besiegtes Volk am anderen Ende der Welt. Diese Parallelgesellschaft existiert in unserem Land, besteht aus freiwillig hier lebenden Menschen und muss sich an unseren Maßstäben messen lassen. Ich habe noch vor wenigen Tagen den Kommentar eines Identitären gelesen, dass es ihm scheißegal sei, ob Türken in Deutschland ihre Töchter gegen ihren Willen verheiraten würden. Ich kann mich dieser Meinung keinesfalls anschließen. Ich fühle mich für alle in Deutschland aufwachsenden Kinder ein Stück mitverantwortlich. Egal ob nun jemand Kinder missbraucht, verprügelt oder mit Hinweis auf seinen fremden Kulturkreis an den Genitalien verstümmeln lässt oder zwangsverheiratet – es widerspricht meinem Rechtsbewusstsein und ich erlaube mir dazu Kritik an der verantwortlichen Person. Sollten manche dieser Verhaltensweisen symptomatisch für einen dieses Verhalten gutheißenden oder auf andere Weise fördernden Gesellschafts- oder Kulturkreis sein, so erlaube ich mir auch eine Kritik an diesem Kollektiv.
Ich kämpfe gegen die Verdrängung der abendländischen Kultur und erlaube mir dennoch eine differenzierte, rationale Kritik am Verhalten der Menschen jeder kultureller Herkunft und Identität um mich herum – ob nun mit oder ohne Unterstützung der identitären Bewegung. Denkt an Nietzsche! „Toleranz ist ein Beweis des Misstrauens gegen ein eigenes Ideal“
@George Kaplan: Wenn ich Sie richtig verstanden habe, besteht Ihr Problem darin, dass Sie dem Konzept des Ethnopluralismus einen schrankenlosen Werterelativismus zur notwendigen Grundlage machen. Dieser Ansicht würde ich nicht zustimmen.
@George: Ich verstehe nicht wo die Differenzen zwischen dem von den Identitären formulierten Standpunkt und deinem ist. Offensichtlich hast Du kein Interesse daran in westlichem Auftrag fremde Kulturen zu missionieren. Wir nämlich auch nicht!
Wir sehen die Misere unserer Identitätsschwäche vielmehr im westlich-amerikanischen Wertesystem, das Europa derzeit beherrscht und das keine Kulturen und Ethnien mehr kennt. Daraus folgt nämlich auch die herrschende Ideologie: wenn es gar keine Kulturen gibt, keine ethnischen Identitäten – ja dann kann man die Menschen weltweit beliebig austauschen. Das ist natürlich eine völlig verrückte Sicht und das Problem liegt eben in dieser einen, alle „beglücken“ wollende „Gerechtigkeits“-Doktrin, die der gesamten Menschheit aufgezwungen oder zumindest „verkauft“ wird (also mit Methoden von „zart bis hart“).
Und das Konzept des Ethnopluralismus ist kein „Ideal“ das man herstellen müsste, sondern ein sehr realer wenn nicht sogar pragmatischer Zugang zu den unterschiedlichen Lebensweisen die die Kulturen dieser Erde etabliert haben. Und bis auf den Westen leben die Völker dieser Erde mehr oder minder homogen unter sich. Der Sonderfall ist vielmehr der Westen wo eine Identitätsblindheit herrscht, die meint alle Menschen beliebig durcheinander würfeln zu müssen.
Das heißt folglich (wie Du glaube ich ohnehin richtig interpretiert hast) dass man seine eigene europäische Identität im eigenen Lande keinesfalls fremden Ansprüchen unterordnen muss – wie sie insbesondere von orientalischen Einwanderern „formuliert“ und auch regelmäßig per Faustrecht auf den Strassen durchgesetzt werden. Das Beispiel mit der Anwendung islamischer Sitten und Gebräuche im familiären Bereich in der BRD oder anderswo in Europa ist sicherlich ein Grenzfall: einerseits passiert dies auf unserem Territorium, andererseits betrifft es uns nicht. Hier wird man wohl einen Kompromiss finden müssen, der für uns tragbar ist. Aber auch hier kann nicht der Sinn sein diesen Menschen unsere Kultur aufzuzwingen. Ich sehe das aber nicht als unser vorrangiges Problem. Es gibt da reichlich Bereiche, wo die Europäer unter dem Migrationsdruck und der Gewalt der außereuropäischen Einwanderer zu leiden haben. Darum sollten wir uns derzeit bemühen.
Es ist sehr wichtig, nicht mit Feindbildern zu arbeiten. Es gibt Menschen und Gruppen mit einem problematischen Verhalten, aber es gibt nicht „die Liberalen“, „den Islam“, „die Grünen“, welche unsere Feinde sind. Wenn man ein Feindbild aufbaut, also Menschen pauschal als negativ abstempelt, dann nimmt man ihnen damit die Möglichkeit, sich zum Guten zu entwickeln.
Es ist viel wichtiger für diejenigen Menschen und Gruppen, die problematische Denkmuster und Verhaltensweisen zeigen, einen Raum zu erschaffen in den hinein sie sich in unserem Sinne entwickeln können. Glaubt mir das wird funktionieren, besser als alles andere bisher. Erwartet und verlangt bspw. von Merkel und anderen hohen Politikern, dass sie das Deutsche wertschätzen, dass sie erkennen wie kostbar unsere ursprüngliche Kultur ist, und wie bedroht sie ist. Geht davon aus, dass die Politiker das erkennen, und fordert von ihnen, dass sie unsere Kultur selbstverständlich schützen. Was wird dann geschehen? Sie werden es berücksichtigen müssen, oder sie werden abdanken, und ein anderer wird ihre Stelle einnehmen (gewählt werden), der diesen Erwartungen und Forderungen entspricht.
Das meine ich mit dem Erschaffen positiver Räume. Man muss all jenen, die problematisches Verhalten an den Tag legen, die Möglichkeit eröffnen sich zu verändern, zur Einsicht zu kommen, ihre Einstellung zu ändern, andere Entscheidungen zu treffen – oder zurückzutreten, zu verschwinden.
Bezogen auf die Mohamedander würde das so aussehen: Wir erlauben ihnen, unsere Freunde zu werden. Nun – Freundschaft ist aber mit Auslöschung, mit Ausrottung unvereinbar. Das heisst, die Mohamedaner die unsere Freunde sind, die uns Deutsche achten und wertschätzen, die werden gehen. Sie werden unser Land wieder verlassen und sich da wieder ansiedeln, wo sie keine Fremden sind.
Alle anderen, also auch die, die uns nicht mögen und uns als leichte Beute betrachten, auch die werden gehen, wenn sie merken wir sind selbstbewußt und stark, wir haben unsere eigene, ursprüngliche Kultur und die ist mit ihrer orientalischen Kultur nunmal völlig unvereinbar. Wenn wir hier in Deutschland ein ganz und gar deutsches, begeistertes, fröhliches Klima erschaffen, dann sollt ihr mal sehen wie die Orientalen, Neger, Bulgaren usw. anfangen die Koffer zu packen. Weil sie sich hier nämlich zunehmend unwohler fühlen werden. Man braucht ihnen gar nicht sagen dass sie unerwünscht sind, sie werden es spüren. Das Gefühl ein Fremdkörper zu sein wird für sie unerträglich werden, und sie werden gehen.
Verlasst euch darauf, lebt mit Begeisterung und Stolz unsere eigene, ursprüngliche Kultur.
Also arbeitet nicht mit Feindbildern, sondern immer und ausschließlich, ganz konsequent, mit der Hinwendung zum Eigenen, nicht mit der Ablehnung des Anderen.
Manchmal braucht es auch Kritik am „anderen“, aber grundsätzlich kann ich Dir nur Recht geben. Man kann nur überzeugen und gewinnen, wenn man ein positives Bild, eine realistische und konstruktive Vision aufzeigen kann. Das ist ja auch das Kernanliegen der Identitären und das steckt ja schon im Namen: Es geht um das Finden, Wiederfinden der eigenen Identität und nicht um ein plattes „Ausländer raus“ – „Schuld sind die anderen“. Das sind nur Symptome, die Ursachen liegen ja viel tiefer und in uns. Selbst wenn kein einziger Ausländer da wäre, gäbe es bei uns Gender Mainstreaming, Selbstverleugnung, Geburtenschwund. Wie gesagt: das heißt nicht, dass wir die Aggressivität der außereuropäischen Einwanderer einfach hinnehmen müssen, aber „am Ende des Tages“ geht es um uns, nicht um die „bösen“ anderen.
@ Patrick, Christoph.
Ihr habt Georg Kaplan nicht verstanden. Ich habe Ähnliches an einer anderen Stelle dieses Blogs formuliert, aber ich kann es hier nochmal gern wiederholen:
Der Islam kann / darf / muss aus kerneuropäischer Perspektive verurteilt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es aufgrund den hier lebenden Muslimen passiert oder islamisch geprägten Staaten im Ortient. Ich verstehe auch die jungen Schreiberlinge dieses Blogs, wenn die jedwede Bewertung ablehnen und eher am friendlichen Nebeneinander interessiert sind. Jedoch müssen sich die Herren hier bewusst machen, dass Konflikte, unabhängig in welcher Dimension man ansetzt, immer vorhanden sein werden. Ob es nun culture clashes innerhalb einer Gesellschaft sind oder der Konflikt zwischen zwei Staaten, spielt im engeren Sinn keine Rolle. Der Islam – oder prinzipiell alles was unseren Haltungen diametral entgegensteht – wird früher oder später im Konflikt mit unseren Werthaltungen stehen.
Diesen Sachverhalt muss man sich bewusst machen und auch den Mut haben zu den eigenen Werthaltungen zu stehen, wohl wissend, dass es Konflikte mit sich bringen wird. Isolation und ein nebeneinander verzögert lediglich diesen Prozess.
Zweitens; Es gibt objektive Maßstäbe zur Bewertung von Gesellschaften / Sachverhalten anhand verschiedener Kriterien. Ja, damit will ich ausdrücken, dass es nur eine Wahrheit und Realität gibt. Leider hat sich seit 1920 in Geisteswissenschaften ein Trend manifestiert, der auch auf Politik und Gesellschaft übergesprungen ist: die Abkehr des Versuchs eine objektive Wahrheit zu beschreiben, hin zur Diskussion über die Art wie man sich über die Wahrheit unterhält. Gleichzeitig wurde auch prinzipiell ausgesagt, dass es sowas wie Wahrheit nicht gibt. Was ich hier recht simplifiziert dargestellt habe, nennt sich Linguistic Turn und bildet die Grundlage für Prozesse, wie z.B. Political Correctness oder Public Relations (ehemals Propaganda gennant). Ja, für alles gibt es einen Grund und es ist nur in den seltensten Fällen Zufall.
Entschuldigt mich für eventuelle orthografische Landminen, aber ich habe gegenwärtig keine Zeit zum Gegenlesen.
Sie haben mich wohl falsch verstanden: Es geht nicht darum, was ich glaube, sondern ob der Ethnopluralismus mit einer schwächeren Voraussetzung als einem schrankenlosen Wertelativismus auskommt (dem stimme ich zu, weshalb ich keinen Widerspruch zwischen der Auffassung von Georg Kaplan und dem Ethnopluralismus sehe). Was mich angeht: Ich lehne nicht „jedwede Bewertung“ ab – da schießen Sie mit Ihren Schlussfolgerungen weit über das von mir Gesagte hinaus.
Es geht hierbei auch nicht primär um eine ontologische, sondern eine erkenntnistheoretische Frage, weshalb ich es mir spare, auf den zweiten Teil einzugehen.
Die eine Wahrheit gibt es nicht. Wer das glaubt ist letztlich Universalist (Marxist, Liberalist, Christ) und muss notgedrungen mit dem Islam weltweit – und nicht nur in Europa – auf „Kriegsfuß“ stehen (der Islam seinerseits ist natürlich auch universalistisch). Ein Diskussion über die Begriffe „Wahrheit“ und „Objektivität“ würde an dieser Stelle zu weit führen. Die identitäre Position, die sich auch in der Sicht des Ethnopluralismus wiederfindet, ist jedenfalls: sofern man überhaupt von „Wahrheit“ und „Objektivität“ spricht, gibt es diese nie absolut, sondern nur relativ — also nur in Bezug auf konkrete Kulturen. Eine alle Kulturen übergreifende „Wahrheit“ wäre universalistisch, notgedrungen auch missionarisch und müsste anderen „aufgezwungen“ werden. So etwas lehnen Identitäre ab.
Das heißt sicher nicht, dass wir über keine eigenen Werte verfügen oder diese nicht in Europa, in unserem Lebensraum durchsetzen wollen. Ganz im Gegenteil! Sollte es aber zu Konflikten kommen – auch international – machen wir daraus keinen quasi-religiösen „Kampf der Kulturen“, sondern sehen darin einen „gewöhnlichen“ Konflikt. Das Konzept eines „heiligen Kriegs“ ist nicht europäisch, aber es ist der gemeinsame Hintergrund des westlich/us-amerikanischen Systems und des Islam. Kein Wunder, dass diese Ideologien in ideologischem und nicht nur „praktischen“ Konflikt stehen.
Ich bin genau wie Patrick der Meinung, dass die alleinige Kritik an einzelnen Aspekten der Andersartigkeit von nicht integrierten Einwanderern absolut keine Lösung für die aktuellen und zukünftigen Probleme Europas darstellt. Hier kann langfristig nur die Wiederentdeckung der eigenen Identität helfen. Ich meine aber, dass zusätzlich zur eigenen Identitätsfindung eine differenzierte Kritik an Aspekten der Lebensweise von Menschen aus anderen Kulturkreisen erlaubt sein sollte.
Ich will noch einmal kurz zusammenfassen, wie ich Patricks Artikel verstanden habe und wie meine Meinung dazu aussieht. Ich habe den Ethnopluralismus als Lebenseinstellung des kulturellen und identitären „leben und leben lassen“ zwischen Menschen in verschiedenen Kulturräumen begriffen. Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass der Ethnopluralismus Kritik an einzelnen Aspekten der Andersartigkeit der anderen Kulturen grundsätzlich verurteilt. Der Ethnopluralismus würde damit aus meiner Sicht nur dann funktionieren, wenn die unterschiedlich „funktionierenden“ Menschen auch in verschiedenen, räumlich voneinander getrennten Bereichen leben und eine grundsätzliche Toleranz gegenüber Andersartigem aufbringen würden.
Beim Beispiel Islam in Europa stehe ich damit vor zwei Problemen. Zum einen leben mehrere Millionen Menschen dieses Glaubens in Deutschland und noch einige mehr in den umliegenden Staaten. Ein wesentlicher Teil dieser Menschen ist nicht in die ursprüngliche Gesellschaft integriert. Die Abgrenzung ist für viele dieser muslimisch geprägten Menschen aber nicht dermaßen stark möglich, dass sie nicht ab und an doch einen gewissen Kontakt zu ihrer deutschen Umwelt hätten. Ich sehe demnach oft massiv verschleierte Frauen auf der Straße und Kinder von türkischen Eltern, denen durch Vermittlung eines strikten Weltbildes mutwillig eine Zukunft in unserer Gesellschaft verbaut wird. Ich tue mich angesichts dieser aus meiner Sicht tragischen Schicksale schwer, die zum Teil sehr eigenen Moralvorstellungen dieser Leute in gewisser Weise zu akzeptieren und sie einfach in ihren Kulturkreis zurück zu wünschen, wo sie dann so weitermachen sollen wie bisher. Für Deutschland wäre das natürlich eine saubere Lösung, aber allem identitären Verständnis zum Trotz tun mir insbesondere die Kinder, die in Deutschland geboren sind, leid. Zum anderen sehen manchen Leute im Islam nicht nur eine Religion und eine lokale Eigenart eines bestimmten Kulturkreises, sondern eine totalitäre, gegenüber allem Andersartigen intolerante oder gar feindliche Lebensweise. Ich muss dazu erklären, dass ich selber bisher keine ausreichende Zeit hatte, mich ausführlicher mit dem Islam zu beschäftigen. Falls der Islam aber tatsächlich eine Art Kriegserklärung an die nicht muslimischen Kulturen ist, dann müssen wir im eigenen Interesse und auch im Interesse anderer schützenswerter Kulturen Maßnahmen ergreifen.
Ich gehe mit all Ihren Aussagen konform, ich möchte an dieser Stelle die Probleme der Migrationsbewegungen jedoch bewusst ausklammern. Oben schrieb ich meine Überzeugung, dass der Ethnopluralismus es nicht voraussetzt, dass überhaupt keine Kritik an anderen Kulturen geübt werden darf. (Ich werde einen eigenen Beitrag dazu einplanen, da es hier zu weit führen würde.)
Eines möchte ich noch zum Islam anmerken: Der Islam per se ist keine Kriegserklärung an die nicht-muslimischen Kulturen – zumindest nicht mehr als es andere missionarische Religionen sind. Auch musss beachtet werden, dass es sehr vielfältige Ausprägungsformen gibt. Aber hierzu ist bereits ein eigener Beitrag von Julian Fosfer in Arbeit.
Mein Debattenbeitrag:
http://blauenarzisse.de/index.php/anstoss/item/3960-verteidigung-des-liberalen-universalismus-i
Gibt es auch schon den zweiten Teil (bzw. diejenigen, welche noch kommen)? Würde dann auf alles in einem Zug eingehen.